Den Juroren hingen die Harmonien wie Tinnitus in den Ohren. Der „Moten Swing“ aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der am meisten gespielte Standard an diesen beiden Tages des Wettbewerbs „Jugend jazzt für Jazzorchester mit Skoda Jazzpreis“2010. Doch auch an modernere Stücke wie Metheny ´s „Have you heard“, Herbie Hancock´s „Watermelon man“ sowie an Arrangements von Bob Mintzer und Peter Herbolzheimer wagten sich die jungen Musiker der 14 Schüler-Bigbands mit insgesamt rund 350 Mitgliedern , die zum musikalischen Wettstreit nach Bingen gekommen waren. Erstmals war der Skoda-Bigband-Wettbewerb bundesweit ausgetragen und in das Programm „Jugend jazzt“ des Deutschen Musikrates integriert worden. Resonanz und Bewerbungen belegen, dass dieses Konzept vom Erfolg getragen wird und an das Binger Jazz-Festival gut angebunden ist.
Zeit, die großen Vorbilder wie Emil Mangelsdorff, Joe Gallardo, Ack van Rooyen oder Hugo Strasser live beim gleichzeitigen Festival „Bingen swingt“ zu erleben, hatten die jungen Musiker allerdings erst am späten Abend des Vorspieltages. Zuvor stellten sich die Bigbands, die aus den Landeswettbewerben im vergangenen Jahr als Sieger hervorgegangen waren praktisch im Halb-Stunden-Rhythmus den geschulten Ohren einer fünfköpfigen Jury.
Zehn Stunden lang war die Luft im Binger Stefan-George Gymnasium erfüllt von swingenden und groovenden Jazzklängen. Die Bandmitglieder saßen auf den Treppen, eilten zu ihrem Auftrittsort in einem der Musiksäle oder lauschten den Stücken ihrer Mitbewerber. Die mit angereisten Eltern und Bekannte spendeten ebenso reichen Beifall, wie am Abschlusstag den besten sechs Bigbands, die das Finale erreicht hatten.
„Das künstlerische Niveau der jungen Musiker aus allen Teilen Deutschlands hat sich seit dem ersten Wettbewerb um den Skoda-Jazzpreis im Jahr 2002 erheblich verbessert“, stellten die Juroren sowie der Trompeter Till Brönner und der Sänger Tom Gaebel übereinstimmend fest. Dies belegten auch die hohen Punktzahlen der Siegerbands, die die Hürden des diesjährigen Wettstreits mit der Bewertung „hervorragend“ nahmen. Aber auch die restlichen Bands schnitten mit „gutem“ oder „sehr gutem“ Erfolg ab.
Alle14 Schülerorchester präsentierten mit leichten Einschränkungen durchweg packende und kraftvolle Bläsersätze, präzise in den Einsätzen und sicher im Timing. Posaunen und Trompetenproduzierten satte Sounds. Klangfarbenreich agierten die Saxophon-Sections sowie swingend und groovend die Rhythmusgruppen. Die durchweg jungen Musiker im Alter bis etwa 20 Jahren erweckten viele alte Standards zu neuem Leben.
Letztlich errang „The Yellow Tone Orchestra“ aus Rheinland-Pfalz den von Skoda ausgelobten Peter-Herbolzheimer-Preis. Till Brönner wird die jungen Musiker in einem Workshop mit Abschlusskonzert coachen. Ebenfalls unter seine Fittiche nimmt Brönner die Bigband aus dem niedersächsischen Berenbostel, die die Jury mit dem Till-Brönner-Preis bedachte, während sich die „Swing Kids“ des Kant-Gymnasiums aus Hessen auf eine Betreuung durch den Sänger und Bigband-Leiter Tom Gaebel freuen dürfen. Einen vierten Skoda-Preis mit einem Workshop stiftete Sponsor Skoda „dem JayJayBeCe Orchester“ aus Berlin, das die Juroren mit modernen Eigenkompositionen bestach und mit diesem Konzept zusätzlich den Preis der Union Deutscher Jazzmusiker für ein zeitgenössisches Werk errang.
Unter dem begeisterten Beifall ihrer Anhänger sowie der zahlreichen Zuhörer beim Finale nahmen bei der Preisverleihung die Leiter der Bigbands aus Baden-Württemberg den Förderpreis des Deutschen Musikrates, aus Schleswig-Holstein den des rheinland-pfälzischen Landesmusikrates, aus Hamburg den Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz entgegen. Den Konzertpreis des Deutschen Musikrates mit einem Auftritt bei der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz errang die Big Band aus Brandenburg , mit dem Preis der Stadt Bingen ist für die Bigband aus Nordrhein-Westfalen ein Auftritt beim Festival „Bingen swingt“ im kommenden Jahr verbunden. Den Solistenpreis der Deutschen Jazzföderation sprach die Jury einstimmig dem Trompeter Christian Mehler von der AEG-Bigband Böblingen zu. Ein Stipendium für dasBuJazzO, erhielt der Bass-Posaunist Maximilian Schrag von der Papa-Lipp-Bigband aus Bayern. Mit seinem swingenden und vor allem banddienlichen Spiel überzeugte der jungen Dummer Jan Peter Linay von den Swing-Kids des hessischen Immanuel-Kant-Gymnasiums die Juroren. Ihm sprachen sie den Preis „drums only“ zu.
Kompetent in den fesselnden Kurzinterviews mit Till Brönner und Tom Gaebel sowie charmant in der Ankündigung der Bands führte der Berliner Jazzexperte Ulf Drechsel beim Finale des zweitägigen Wettbewerbs durch das Programm. (Klaus Mümpfer)



