Anläßlich der ersten Skoda-Vorlesetour im Dezember 2007 schrieb Stefan Gemmel die Geschichte von der Skoda-Maus im Autohaus.

Illustration von Marina Krämer
Marina Krämer
Eigentlich war dies der kuscheligste Platz,
den sich Felix nur wünschen konnte.
Dieser Autoreifen, in dem er sich immer
versteckte, hatte genau die richtige Größe
für seinen kleinen Körper, genau den
richtigen Ausblick für seine spitze
Vorwitznase und vor allem: Immer wieder
Leckereien für seinen ständigen Appetit.
Dicke Brötchenkrümel oder herrliche Schokolade-Stückchen, die den Besuchern des Autohauses aus den Händen oder Taschen fielen und die Felix nur aufsammeln musste.
Ein herrliches Leben! Ein Leben, wie es sich Felix nicht besser hätte wünschen können.
Wenn nur – ja, wenn nur dieses nächtliche Problem nicht gewesen wäre.
Felix schauderte stets, wenn er nur daran dachte.
Jeden Abend kam er hervor, dieser Schatten. Immer dann, wenn die Besucher des Autohauses
längst gegangen waren.
Wenn draußen die Sonne allmählich versank und die Nachtbeleuchtung des Autohauses
eingeschaltet wurde, dann kam er hervor – der Indianderschatten. Denn so hatte ihn Felix
inzwischen getauft: den Indianerschatten.
Auf einem spitzen Pfeil kam er angeflogen, der Indianer, und er setzte sich immer auf den
Boden. Immer dicht vor Felix` Autoreifenversteck.
Dann duckte sich Felix und verkroch sich in seiner Felge. Er bibberte und zitterte dann vor
Angst und hoffte nur, dass diese Nacht schnell vorüber gehen würde.
Auch heute Abend war es wieder so. Bald schon würde die Sonne versinken. Bald schon
würde die Nachtbeleuchtung in dem Autohaus eingeschaltet werden. Und Felix war noch
immer wach.
Er hatte zum Abendbrot ein ganzes Schokobrötchen verputzt, das ein Mädchen mit langen
Zöpfen hatte fallen lassen. Doch das Brötchen war wohl zu viel gewesen. Felix` Bauch
rumorte und knurrte und ließ den kleinen Kerl nicht einschlafen. So fest Felix auch die Augen
aufeinander drückte, es wollte nicht gelingen.
Und bald schon würde doch der Indianerschatten auftauchen und ...
Was war denn das?? Felix spitzte die Ohren. Da war doch gerade ein Geräusch gewesen, das
...
Da, schon wieder. Felix stellte sich auf alle Viere. Es klang, als ob jemand in dem Autohaus
war. Und zwar genau hier, dicht vor Felix` Autoreifen.
Felix zuckte zusammen. „War das vielleicht schon der Indianerschatten?“, fuhr es ihm durch
den Sinn. Doch schnell schüttelte er den Kopf. Der Indianer hatte bisher noch nie ein
Geräusch gemacht und es war auch noch zu hell für ...

Marina Krämer
In diesem Moment huschte etwas vor seinem Versteck vorbei. Felix erschrak und hielt den
Atem an.
Was ging hier nur vor?
Es half nichts. Er musste nachsehen. Er konnte doch unmöglich die ganze Nacht hier in
seinem Versteck ausharren, mit all seiner Angst.
Er nahm seinen Mut zusammen und blinzelte aus seinem Versteck heraus.
„Puh!“, dachte er erleichtert. Der Indianerschatten war es nicht. Von ihm war nichts zu sehen.
Schon wagte Felix, seinen Kopf aus dem Versteck zu strecken. Nichts war zu sehen. Und es
war auch nichts mehr zu hören.
Er machte einen Schritt aus dem Reifen
heraus, als er ...
In diesem Moment geschah alles
blitzschnell. Felix erkannte aus den
Augenwinkeln noch, dass etwas auf ihn
zugesprungen kam. Er wollte losrennen,
doch es war schon zu spät. Eine riesige
Katerpfote hatte ihn bereits gepackt und
hielt ihn fest.
„Hab ich dich endlich!“, knurrte der Kater und blickte auf die Maus herab. „Schon seit Tagen
beobachte ich dich, wie du hier im Autohaus herumschleichst und wie du es dir gut gehen
lässt.“
Felix schluckt hart. „Schon seit Tagen beobachtest du mich? Dann sind wir ja alte Bekannte.
Und du wirst doch einen guten, alten Freund nicht einfach so auf deine Speisekarte setzen ...“
„Ruhe“, brummte der Kater. Er wies mit seiner Schnauze auf das Matratzengeschäft auf der
anderen Straßenseite. „Da wohne ich seit einigen Tagen“, erklärte er. „In dem Laden da
drüben. Und von da aus kann ich genau sehen, was du hier jeden Abend treibst. Und jeden
Abend habe ich dann so einen Hunger im Bauch. Und einen Appetit. Vor allem auf
vorwitzige Mäuse und jetzt endlich kann auch ich schmecken, wovon ich die ganze Zeit nur
träumen durfte.“
Der Kater hob Felix in seiner Pfote langsam in die Höhe. Er öffnete schon seine Schnauze, in
der ihm das Wasser zusammen lief.
Felix schloss die Augen. Er hatte ja keine Chance gegen diesen riesigen Kater und ...
Da fiel ihm etwas ein. Schnell riss er die Augen wieder.
„Hat du denn auch alles gesehen?“, rief Felix aus und der Kater hielt inne.
„Alles gesehen? Wie meinst du das?“
„Na, hast du von da drüben auch meinen besten Freund gesehen?“
Jetzt ließ der Kater ihn wieder herunter zur Erde, hielt ihn aber weiterhin in der Pfote gepackt.
„Einen Freund?“, fragte er. „Einen Freund? Ne, ich habe hier keine Freunde von dir gesehen.“
„Dann kennst du den Indianer gar nicht?“, rief die Maus ihm zu und der Kater verstand gar
nichts mehr. „Was denn für ein Indianer?“
„Er kommt jeden Abend um die gleiche Zeit und bleibt die ganze Nacht bei mir. Es ist ein
riesiger alter Indianer, mit einem langen spitzen Pfeil in der Hand, stets bereit, Feinde in die
Flucht zu schlagen. Den kennst du nicht?
Oh, der Indianer wird mich heute Abend aber sehr vermissen, wenn er kommt, der Indianer.
Und er wird ganz bestimmt Jagd machen auf denjenigen, der mich entführt oder sogar
gefressen hat. Und er kennt keine Gnade, dieser Indianer.“
Der Kater saß mit offenem Maul vor der Maus und hörte ihr gespannt zu. Er schien nicht
gerade einer der mutigsten Katertiere zu sein, denn seine Augen weiteten sich mit jedem
Wort, das die Maus sagte.
„Und – und – und ...“, stotterte er. „Wann kommt der so, dein Indianerfreund?“
Felix warf einen Blick nach draußen zu der Sonne, die beinahe hinter den Dächern der Häuser
verschwunden war.
„Och“, sagte er. „Ich erwarte ihn jeden Moment.“
„Was?“ Vor Schreck ließ der Kater die Maus los. „Jeden Moment? Du meinst ...“
Und genau in diesem Moment geschah es: Die Nachtbeleuchtung des Autohauses schaltete
sich ein und auf dem Boden des Geschäftes zeigte sich der Schatten des Indianers.
„Aaaaah!“ Der Kater schrie so laut und entsetzt auf, dass es der Maus in den Ohren dröhnte.
„Ist – ist – ist er das?“

Marina Krämer
Felix schüttelte schnell den Kopf. „Ne, das ist nur sein Schatten. In Wirklichkeit ist er viel
größer und breiter und stärker und ...“
Der Kater geriet in Panik. „I- ich muss weg. Äh, friss dich doch alleine auf, wenn du Lust hast,
ich kann – ich darf – ich muss ...“ Und damit machte er einen riesigen Satz über Felix hinweg
und rannte um sein Leben.
Die Maus kicherte und blickte dem Kater hinterher.
Doch dann verging ihr das Lachen. Denn mit einem Mal wurde ihr klar, dass sie immer noch
genau neben dem Indianerschatten stand. Und zwar allein und nicht versteckt.
Langsam, zitternd wandte Felix sich um und blickte auf den Schatten. Doch der rührte sich
nicht. Also wagte Felix einen Schritt auf sein Versteck zu.
Der Schatten rührte sich noch immer nicht.
Felix wagte noch einen Schritt und noch einen und als er sein Versteck erreicht hatte, fiel sein
Blick auf die Radkappe und – alle Angst war verflogen. Endlich wusste er, wer – oder besser
was – der Indianerschatten war.
Felix` Blick war auf das Zeichen der Automarke gefallen: das SKODA-Symbol, das auf allen
Radkappen der Autos abgebildet ist. Und hier draußen, vor seinem Versteck, erkannte Felix
endlich, dass der Schatten genau dieses Symbol war.
Jetzt verstand die Maus alles: Wenn die Nachtbeleuchtung des Autohauses eingeschaltet
wurde, dann strahlten die Außenlichter das SKODA-Symbol vor dem Schaufenster an. Und
der Schatten des Symbols wurde in das Autohaus geworfen. Genau hierher: vor Felix`
Versteck.
Die Maus kicherte. Sie tappte stolz auf den Schatten zu. Sie warf einen Blick hinüber zu dem
Laden und lachte laut auf.
In dieser Nacht – in seiner bisher
mutigsten Nacht – hatte Felix gleich zwei
Monster besiegt. Das wahre Kater-
Monster und das eingebildete Schatten-
Monster.
Glücklich krabbelte er in seine Felge, legte
sich gemütlich auf die Seite und freute
sich schon auf seinen Schlaf.
Denn den würde ihm in der nächsten Zeit niemand so schnell stehlen können.
Stefan Gemmel
für: SkodaAuto Deutschland